Chronik des Schützenvereins Großneuhausen e.V.

In der Tradition des Großneuhäuser Schützenvereins von 1763

 

Werte Schützen und Schützinnen, werte Einwohner!

Unser Großneuhausen ist ein alter Ort mit vielen historischen Traditionen. Gegründet in fränkischer Zeit, als Niwihusen, ist unser Ort so alt wie Kölleda und Großmonra, da auch diese Orte im Brevarium des Lullus vor mehr als 1200 Jahren erwähnt wurden. Der wehrhafte Charakter der damaligen Dorfanlage, bestehend aus Wassergräben, Dorfmauer und Toren an den Ausfallstraßen, zog in den Jahrhunderten der Geschichte immer wieder Kriegsvolk in unseren Ort. Die fleißige Bauernschaft, der gute schwarze Boden, aber auch das Vorhandensein dreier großer Gutshöfe, wie das Werthernsches Gut, das Pfaffengut und das Graßenburgische Gut, waren für Sie sichere Einquartierungsorte. Dies können wir ab dem 16. Jahrhundert recht gut nachweisen. Kluge Dorfschulzen, Heimbürgen oder Schulmeister hinterließen Chroniken und Schriften zu Ereignissen der Freude und Drangsale der Vergangenheit. Der Siebenjährige Krieg von 1756-1763 war ein solch bedeutender Einschnitt im Leben unserer Vorfahren. Viele Jahrhunderte gehörte unser Heimatdorf zum Kurfürstentum bzw. Königreich Sachsen. Die Wünsche und Sehnsüchte der Kurfürsten von Sachsen um Ausdehnung ihrer Macht, machten unseren Landstrich zum Spielball der Preußen und Franzosen.

Kölleda war Stadtquartier Kursächsischer Kavaliere, u.a. der Goldackerschen, Schlichtingschen und Sondershäuser Dragoner, der Vitztümschen und Beneckendorfschen Kürassiere.

Erst von 1792-1835 war die Stadt ständig Husarengarnision. Bis dahin wurden diese stehenden Einheiten ständig von Stadtquartier zu Stadtquartier umquartiert und Bürgern und Bauern der Umgebung in Einquartierung gegeben. Großneuhausen mit rund 800 Einwohnern in dieser Zeit hatte oftmals mehr als 100 Einquartierungen (oft Wochen und Monate). Die Soldaten wurden während dieser Zeit am Ried im Soldsknecht bzw. Soldatenhandwerk gedrillt. Die Großneuhäuser Männer unterstanden der Königlichen Landmiliz. 1710-1719 wurden hierfür in Großneuhausen 50 Mann dieser Bürgerwehr ausgehoben und auf dem Ried in Ellersleben ausgebildet. Über den Einsatz dieser Truppen ist außer zur Bekämpfung der Straßenräuberei wenig bekannt. Eine mündliche Überlieferung, die nicht in der Bechstedtschen Chronik auch nur angedeutet wird, sagt aus, dass die Landmiliz nach Dresden 1756 beordert wurde, zur Schlacht zu spät anrückte und ohne einen Schuss in Gefangenschaft nach Potsdam verbracht wurde. Die Grafen von Beichlingen hätten dann 1763 mit Beteiligung der Bürger und der Gemeinde die Gefangenen ausgelöst. Die nach 7. Jähriger Gefangenschaft Heimkehrenden wären dann im Bisdorfer Anger bei Siebenlinden von der Dorfbevölkerung begrüßt worden und zum Dank wurde jährlich ein Freudenfest gefeiert, woraus sich das Mannschießen entwickelte. Urkundlich kann nur der Ursprung des Festes belegt werden, wie die weiteren Schilderungen aussagen. Die im Orte verbliebene Bevölkerung hatte 7. Jahre äußerste Bedrängnis zu ertragen. Der Chronikschreiber Johann Gottlieb Bechstedt findet über viele Seiten mit Datum, Mengenangaben und anderen Berechnungen in seiner Chronik kaum genug Worte für die vielen Einquartierungen von Sachsen, dann Preußen, Österreichern, Ungarn und Franzosen, sowie Kriegskontributionen in Geld, Lebensmitteln, Getreide und andere Futtermittel, die die Großneuhäuser Bauernliefern und zum Teil bis Weißenfels und weiter durch Anspanndienste transportieren mussten. Am Ried weideten neben Pferden der berittenen Einquartierungen oftmals mehr als 200 Beutepferde, die auch noch mit Hafer und Heu versorgt werden mussten, oder es gab Prügel bzw. Quälereien, denen besonders der Dorfschutz und Heimbrüge Poland ausgesetzt war. Allein der Bauer Bechstedt wurde an einem Tag total ausgeplündert. 2. Pferde, 2. Stiere, 2. Schweine, 7. Gänse, 17. Hühner, alles was im Hause, in der Küche, im Keller, in der Scheune und dem Boden nicht Niet- und Nagelfest war, wurde fortgeschleppt. Sogar Tore, Türen und Dach riss man als Brennholz ab. Dazu kamen natürlich ständige Werbungsversuche und Aushebung junger Männer, um die Truppen der jeweiligen Einquartierungen aufzufüllen. Viele junge Männer mussten sich jahrelang verstecken bzw. sehr zurückhalten, um nicht in einen fremden Waffenrock gesteckt zu werden. Als 1763 der Frieden ein Ende mit all diesen Requierungen machte, bemächtigte sich aller Einwohner ein bis dahin nie gekannter Freudenrausch. Die Alten sammelten sich am Schenkplatz, das junge Volk am Bißdorfer Anger (Siebenlinden), wo man in Übermut und Ausgelassenheit den Krieg und seine Schäden vergessen wollte. Ein stehengebliebenes Geschütz irgendeiner Rückzugstruppe wurde nun mit Pulver geladen und des Öfteren abgeschossen. Das Pulver spendierte die Gemeinde. Die jungen Burschen hatten sich im Laufe des Krieges wohl manch liegengebliebenes Uniform- und Ausrüstungsstück beiseitegelegt und nun hervorgeholt. Poland schreibt: „Dass nun die Burschen, die man sonst kaum sah, aus ihren Verstecken kamen und nun marschierte, exerzierte und paradierte man als österreichischer Husar, preußischer Füssilier, sächsischer Scharfschütze, ungarischer Pander oder französischer Kürassier, wie es die Uniform gerade möglich machte.“ Wie im Kriege die Einquartierungen fingen die nun die jungen Burschen ältere angesehene Ortsbürger ein und gaben die Geiseln nur gegen Spenden von Bier und Esswaren heraus. Dieses Fest fand solchen Anklang, so dass man es jährlich bis 1806 wiederholte. Die Jagd nach „Spendengeiseln“ machte jedoch einigen Bauern, die ihre Äcker um Siebenlinden hatten so viel Flurschaden, dass man das Fest auf das Ried verlegte. Die Schützen hatten nun eine türgroße, aus Brettern gefügte Zielscheibe mit dem Bildnis eines preußischen Füssilier, worauf man schoss und den Schützenkönig ermittelte. Bis 1823 wurde mit diesen alten Uniformen des 7. Jährigen Krieges das Schützenfest gefeiert. 1823 wurde dann eine einheitliche Uniform nach dem Vorbild des Dresdner Kontingents der Sächsisch-Wertherschen Kompanie zur Zeit des 7. Jährigen Krieges angeschafft. Diese bestand aus hohen Bärenmützen mit dem weißen Federstutz und einem Messingschild. Die Uniformtuchfarbe war schwarz.

Bis dahin hatten unsere Vorfahren jedoch noch manches Leid zu ertragen. Die napoleonische Zeit machte den Schützenfesten ein Ende. Das war bestimmt leichter zu ertragen als die Drangsale, die die Franzosen bis zu ihrer Niederlage 1813 bei Leipzig brachten. 1812 lagen allein in Großneuhausen 173 Kürassiere mit 168 Pferden, 10 Tage im Ort als Einquartierung. Den Anfang der Drangsale machten die Franzosen 1806 mit der Ermordung des Bauern Jakob Beyer, der verwundete Franzosen nach Eckardtsberga fahren sollte. Seine Leiche fand man einige Zeit später in Oberreißen, sein Pferd im Besitz des französischen Generals Lessaron. Den Wagen hatten die Franzosen schon zu Geld gemacht. Während der ganzen französischen Besatzungszeit (1806-1813) verloren die Einwohner und darunter viele Schützen nicht den Mut. In der Finne hatte sich die Einheit des Majors Hellwig versteckt und die Franzosen all die Jahre das Leben schwer gemacht. Des Öfteren kamen sie zum Schloss Großneuhausen, um sich wieder aufzufrischen. Die Einwohner von Großneuhausen hielten zu diesen tapferen Männern. Der Landwirt Johann Gottlieb Bechstedt, aus einer alten, bekannten, angesehenen Bauernfamilie, führet diese Einheit durch die Tallagen der Lossa und Scherkonde, damit die Einheit des Majors Hellwig die Franzosen aus Sömmerda vertreiben konnte. Mit den Aufruf zum Wiederstand meldeten sich 19 Großneuhäuser zur Landwehr. Sie trugen dunkelblaue Montur mit rotem Kragen und langen grauen Hosen. An der Kopfbedeckung hatten sie ein Messingkreuz. In der Bewegung „Gold gab ich für Eisen“ haben die Einwohner zur Ausrüstung dieser Leute beigetragen. General Blücher weilte einige Stunden bei der Verfolgung der Franzosen hier im Ort und ließ in der Pensingschmiede sein Pferd beschlagen. Über Generationen hatte die Pensingschmiede mit „Blücher“ einen zweiten guten Ruf. Nach 1813 brauchten die Einwohner von Großneuhausen 2. Jahre der Besinnung und Ruhe für den Wiederaufbau von Handwerk und Landwirtschaft. 1816 nahm der Gedanke des Friedensfestes von 1763 wieder Gestalt an. Eine Gruppe junger Männer schloss sich zu einer Schützenkompanie zusammen. Da Weimar nach dem Wiener Kongress unsere Landeshauptstadt wurde, hatte die Fahne auf der einen Seite die Farben des Geschlechtes derer von Werther: grün, weiß, rot, blau. Die andere Seite trug die Farben von Sachsen-Weimar: schwarz, gelb, grün mit dem Monogramm CA (Carl August). Die metternichschen Polizeibestimmungen für das Gebiet der Heiligen Allianz ließen ein Mannschießen und die Förderung eisen gesunden vaterländischen Geistes nicht zu. Ab 1821 erlaubte die großherzogliche Regierung das Abhalten des Mannschießens wieder, aber im Biesdorfer Anger, dort wo die Jugend 1763 feierte. Kein guter Segen lag über diesem Entschluss, denn am Tage des Mannschießens im Jahre 1825 brach im Ort ein Großfeuer aus und äscherte eine beträchtliche Zahl Häuser ein, während sich die Einwohner auf dem abgelegenen Biesdorfer Anger vergnügten. Das Ried wurde nun wieder Ort des Festes. Am 02. Juli 1824, wurde das Schützenfest von Großherzog Karl August und Minister Goethe beehrt, die sich auf der Durchreise nach Allstedt befanden. Über die Höhe ihrer Spende ist uns jedoch keine Nachricht verblieben. 1831 wurde die Schützengesellschaft landesherrlich privilegiert. Dies hieß, dass während des Festes und auch zu anderen Zeitpunkten die polizeiliche Ordnung im Ort von der Schützenkompanie mit gewährleistet werden musste. 1827 Uniformierte man auch den Spielmannszug nach der Tracht der kursächsischen Jäger, wie sie bis 1809 in Eckardtsberga stationiert waren. 1848 wurde der Schützenverein auf Grund des Privilegs in die Bürgerwehr einbezogen. Es war wohl manchem Schützen etwas heiß oder eng ums Herz, wenn er zur Aufrechterhaltung der Ordnung gegen die mit Recht revolutionär gesinnten Liberalen und Demokraten vorgehen musste. Bis zum 1. Weltkrieg konnte die Schützenvereinigung viele Feste gestalten und wurde zu einer Zierde der Schützengesellschaft. Immer öfter trat sie zu öffentlichen Anlässen in Weimar auf. So paradierten die Großneuhäuser Schützen 1892 zu Ehren des großherzoglichen Paares in Weimar. Hierzu wurde von den Großneuhäuser Schützenfrauen eine neue Fahne gestiftet, die von unserem Ehrenmitglied Konrad Joseph seit dem Ende des 2. Weltkrieges aufbewahrt wurde und so dem Zugriff der DDR-Staatsmacht entzogen wurde. Leider haben viele Großneuhäuser nicht so gehandelt, sonst hätten wir bestimmt eine umfangreichere historische Sammlung zum Schützenvereinswesen parat. Der 1. Weltkrieg hinterließ große Lücken in den Reihen der Schützen. 33 Männer starben auf den Schlachtfeldern Europas. Die Goldenen Zwanziger und die Jahre bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurden wohl die besten Jahre für die Schützenvereinigung. Nichtahnend, dass schwere Kriegsjahre kommen, mit einer bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und ein arg geschrumpftes und geteiltes Heimatland mit dem Verbot für die gesamte Schützentradition folgte, wurde zum Beispiel 1931 das 100. Jährige Jubiläum der Privilegierung des Schützenvereines begangen. Hierzu sind uns noch die umfangreichsten Quellen zugänglich.

Die Schützenkompanie war in Schützen und Grenadiere unterteilt. Grenadier konnte nur werden, wer mindestens 3. Jahre Schütze gewesen war. Die Offiziere hatten neben dem Dreispitz als Kopfbedeckung Säbel und andere unterschiedliche Erkennungsmerkmale. So hatte der Hauptmann den Dreispitz mit weißen Federn und waagerechter Feldbinde. Ein Oberleutnant besaß schwarze und weiße Federn, jedoch keine Feldbinde. Der Leutnant trug schwarze Federn und keine Feldbinde und der Adjutant eine diagonal, wie eine Schärpe getragene Feldbinde. Zur Kompanie gehörte ein Spielmannszug, der durch ein Tambourmajor angeführt wurde. Außerdem gab es Unteroffiziere und zwei Pioniere neben den Schützen und Grenadiere. Das jährlich stattfindende Schützenfest fand am 2. Wochenende im Juli auf dem Ried statt. Vom Schützenverein wurden aus Planen zwei Zelte aufgestellt. Diese lagerten das Jahr über im Kirchturm. Ein Zelt, das Bierzelt, wurde jährlich an die 4. Gastwirte des Ortes verlost. Das andere Zelt war für die Grenadiere bestimmt. Dies war das Wachzelt, in welchem Spieß (Feldwebel) und 8-10 Grenadiere, sowie ein Trommler untergebracht waren. Das Schützenzelt war zweigeteilt. In einer Art Anbau war der Bierausschank, und im Hauptteil saßen die Schützen. Zusätzlich war hier die Tanzfläche, wo gegen ein Tanzgeld die Paare sich zur Musik der auch im Zelt untergebrachten Tanzkapelle drehten. Die Grenadierwache spähte jeden etwas vermögenden Gast aus, ließ den Wachaufzug antreten und der Trommler schlug eine Reville. Der Gast wurde ins Grenadierzelt geleitet und gab seine Spende. Der Spieß musste nun mit Ihm mit einem Bier anstoßen. So kam es, dass ein solcher Wachspieß bis zu 100. Biere am Tage trinken musste. Harte Burschen mussten solche Feldwebel sein, denn das Fest dauerte 3. Tage. Es begann eigentlich schon in der 1. Juliwoche. Dienstag, Donnerstag und Freitag war damals Probeexerzieren. Am Sonntag ging es nach Kleinneuhausen zum Schützenfest. In der zweiten Woche wurden dann die Zelte aufgebaut, von der weiblichen und männlichen Jugend frisches Pappel- und Birkengrün um das Zelt gesteckt, sowie mit Girlanden geschmückt. Am 2. Sonntag im Juli wurden dann um 05:00 Uhr morgens mit der Kanone das Dorf und die Bewohner geweckt. Das Trommlercorps der Kompanie schlug die Reville und ermunterte die Offiziere und Mannschaften. Um 08:00 Uhr traten alle Schützen und Grenadiere beim Schützenhauptmann zum Frühstück an. Dieser musste dazu jährlich ein Schwein schlachten und die Getränke stellen. Um 09:00 Uhr nahm die Kompanie am Gottesdienst teil. Gegen Mittag trafen sich dann auswärtige Schützen und die Neuhäuser beim Schützenwirt Zahn und es begann der Marsch durchs Dorf. Allen voran ritten der Schützenhauptmann und der Adjutant. Dahinter trugen die zwei Pioniere die große Mannscheibe. Dann kamen die Grenadiere, die Schützen und der Spielmannszug, dahinter die Gästeschützenzüge. Wagen mit Ehrengästen bewegten sich dazwischen. Zuerst wurde der alte Schützenkönig zu Hause abgeholt, anschließend ging es zum Ried. Dort begaben sich die Pioniere mit der Mannscheibe zur Schießmauer und montierten sie ein. Die Grenadiere und die Schützen gingen in die Zelte. Der Wachzug begrüßte und nahm die Spenden ein. Zwischen Tanz, Musik und Gesprächen schossen alle Männer auf die Mannscheibe um den Schützenkönig. Am Dienstag wurde der Schützenkönig bekanntgegeben. Er musste dann noch einmal alle Schützen und Grenadiere bewirten. Jeder Tag des Festes begann mit dem Wecksalut und dem Durchmarsch des Spielmannszuges und endete mit einem Zapfenstreich. Die Paraden zwischendurch gaben den Gästen immer etwas zum Schmunzeln. Während des Festes versuchten die Schützen, Gäste und Jugend den Grenadieren die Kanone zu stehlen. Die gestellten Diebe bzw. unachtsamen Kanoniere wurden dann symbolisch bestraft. Die ganze Festlichkeit war immer so mitreißend, dass nicht nur, wie schon erwähnt, Goethe zum Mannschießen hier weilte, sondern auch 1938 die UFA. Sie drehte damals hier einen Bericht für die Wochenschau. Der Mittwoch nach dem Mannschießen gehörte der Jugend. Ein Kinderfest im Schützenzelt wurde nun von der Schloßherrschaft organisiert. Am Donnerstag war dann die Flusspflege der Lossa. Hier konnten alle ihren Kater beim Schlammschaufeln kurieren. Danach wurden die Zelte wieder abgebaut. Die Holzgestänge kamen in die Schulscheune, die Zeltplanen in den Kirchturm und die Kanone zum Schützenhauptmann. Im 2. Weltkrieg wurde die gesamte Ausrüstung für das Winterhilfswerk fortgeschafft und die Kanone eingeschmolzen. Von den Schützen sind 66 Mann gefallen oder verschollen. Mit dem Einzug der Amerikaner lieferten fast alle Einwohner die alten Vorderladergewehre aus Angst ab. Wer das nicht tat, musste dies, wie der Landwirt und Mühlenbesitzer Theo Amm, mit seinem Leben bezahlen, da bei ihm die Russen ein solches Schießeisen fanden. Die russische Besatzungsmacht und ihre Nachfolger verboten in der DDR jedweden Waffenbesitz in freien Schützenverbänden, und somit konnte die Tradition nicht weiterbestehen. Mit dem Jahre 1989 hatte auch dieses Regime ein Ende. 1990/91 versuchten Mitglieder der FDP die Tradition wieder aufleben zu lassen. 1992 wurde wieder ein Schützenverein gegründet, der im gleichen Jahr noch ein Schützenfest mit dem Ausschießen des Schützenkönigs organisierte. Karl Schenk und Albert Günther waren der letzte Schützenhauptmann und Adjutant vor dem 2. Weltkrieg. Uwe Fischer und Horst Nichterlein sind der erste Schützenmeister und sein Stellvertreter nach dem Kriege.

Der letzte Schützenkönig war 1938 Kurt Boblenz, der erste Schützenkönig 1992 Günther Kilian. In den nächsten Jahren soll nun am Ried, an alter historischer Stätte, ein neuer Schießstand entstehen. Wir hoffen, dass bald ein ökonomischer Aufschwung Ängste und Nöte von den Menschen nimmt und sie sich wieder mehr den Traditionen und einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung widmen können. Im Schützenverein wären sie als Mitglieder gern gesehen. Auch Frauen und Jugendliche sollten sich ein Herz nehmen und uns helfen, dass das Mannschießen irgendwie weiterlebt. Die neue Tradition soll mit einer Schützenkönigin und einem Jugendschützenkönig ausgeweitet werden. Der erste Jugendschützenkönig  war Ronny Gollum. Die erste Schützenkönigin nach dem Neuanfang war Ute Fischer.

Hiermit möchte ich mich bei allen Mitbürgern im Namen des Vorstandes des Schützenvereins Großneuhausen bedanken, die Bildmaterial und ihren Gesprächen mit ihrem Wissen dazu beitrugen, dass dieser Versuch einer Chronik des Großneuhäuser Mannschießens möglich wurde. Allen voran Herrn Kurt Zöllner, Herrn Oskar Zöllner, Fam. Bechstedt, sowie der Gemeindeverwaltung.

 

 

1.-Fortsetzung der Chronik vom 1. Schützenfest 1993

Anlässlich des 2. Schützenfestes 1994

 

09. Oktober 1893 – Großneuhausens Schützen in Weimar ?

 

Der Historienmaler Prof. Hans Wilhelm Schmidt (1859-1950), der bleibende Werte in der Jenaer Universität aber auch mit dem Gemälde Maria Pawlownas und Napoleon Bonaparte hinterließ, dieser Künstler hatte in seiner Skizzensammlung anlässlich der Goldenen Hochzeit des Großherzogs Carl Alexander und Sophias die Großneuhäuser Schützen festgehalten. Zu einer Vollendung seines Werkes, ähnlich dem des Fürstenzuges in Dresden, ist es nicht gekommen. Der 1. Weltkrieg wird dies wohl verhindert haben. Die Großneuhäuser Schützen müssen bei den Feierlichkeiten dabei gewesen sein und zwar in solch einer Pracht, die den Jubilaren, aber auch den Gästen der Goldenen Hochzeit würdig war. Zu den Gästen zählten neben Hunderten hochdotierter Persönlichkeiten der König von Großbritannien, der Großfürst Wladimir von Russland, der deutsche Kaiser Wilhelm II, die königliche Familie der Niederlande aber auch die Freiherren Thielo-Ottobald und Hans von Werthern.

Wer waren die Bejubelten?

Die Großherzogin Sophia (1824-1897) war als eine Prinzessin der Niederlande nach Weimar gekommen. Das Königshaus Oranien legte großen Wert auf eine „Hauswirtschaftliche Ausbildung“ der Prinzessin. Nach der Heirat sorgte sie sich um die „Haus- und Hofwirtschaft“. Ihre ganz besondere Vorliebe galt jedoch den sozial Schwächeren. Die Organisation der Krankenpflege im Großherzogtum, die Gründung und Inbetriebnahme des Sophienhauses in Weimar und des Kinderheilbades in Bad Sulza sind die größten Leistungen der niederländischen Prinzessin. Nicht gering zu schätzen ist, dass sie selbst vier Kindern das Leben schenkte und diese auch selbst aufzog, was in solchen Häusern damals nicht üblich war. Sie war ohne Umschweife eine gute Landesmutter.

Carl-Alexander war der Sohn des Großherzogs Carl-Friedrichs, somit Enkel des Karl-August von Sachsen-Weimar. Die Mutter, Maria Pawlowna, deren russisch-orthodoxe Gedächtniskirche in Weimar neben der Fürstengruft steht, legte mit Goethe bei der Erziehung des Erbherzoges großen Wert auf eine mehr geistige aufgeschlossene Erziehung und Bildung. Diese trug dann auch Früchte. Der Großvater von Carl-Alexander, also Karl-August, führte die Weimarer Klassik auf ihren Höhepunkt. Viele Historiker bezeichnen diese Jahre als das „Goldene Zeitalter“ Weimars.

Der Enkel, also Carl-Alexander, schuf das „Silberne Zeitalter“ Weimars. Diese nachklassizistische Zeit, auch das Zeitalter der Romantik genannt, wurde von Carl-Alexander genutzt, um die Kunstsammlungen Weimars auszubauen, Reformen in der Landwirtschaft und in der Verwaltung der Gemeinden durchzusetzen. Neben einer gezielten Förderung der gewerblichen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Großherzogtum trat Karl-August, als ein Vertreter der kleindeutschen Lösung, für ein geeintes Deutschland unter preußischer Führung ein. Obwohl er für kriegerische Dinge wenig übrig hatte, nahm er am Dänischen Krieg 1849, Schleswig-Dänischen Krieg und am Deutsch-Französischen Krieg 1870-71 an der national gesinnten Seite für Deutschland teil. Nach der Kaiserkrönung in Versailles war seine Unterstützung für Kaiser Wilhelm I und Fürst Bismarck immer spürbar. Als Förderer der Musen hat er Großartiges geleistet. Die Rettung der Wartburg und die Gründung der Weimarischen Kunstschule sind hier besonders hervorzuheben.

~Kilian~

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